Stand EU-F-Gase-Verordnung

Die EU-Verordnung 517/2014 zur Regelung der Emission von fluorierten Treibhausgasen ist seit 2015 in Kraft und beschreibt Anwendungsverbote für Stoffe, teilweise abhängig vom GWP-Wert des Stoffes. Das wesentliche Werkzeug der Verordnung zur Reduzierung der Gesamtemission fluorierter Treibhausgase ist das Phase-Down-Szenario. Diese gestufte Begrenzung der Gesamtemissionsmenge in Kohlendioxid-Äquivalenten ist von 2015 bis zum Jahr 2030 festgelegt. Für das Jahr 2022 ist eine Revision vorgesehen. Siehe auch BITZER Dokument A-510.

Quelle: EUR-Lex - 32014R0517 - EN - EUR-Lex (europa.eu)

Entwurf der Kommission 2022-04-05

Mit Datum 2022-04-05 wurde ein Entwurf für die Revision veröffentlicht: PC Proposal of Commission. Die Zahl der Anwendungsverbote wurde erhöht, einige Definitionen angepasst und das Phase-Down-Szenario angepasst: Es nennt Werte für die maximale Emissionsmenge über das Jahr 2048 hinaus und schlägt schon ab 2024 deutlich stärkere Absenkungen vor als die aktuelle Verordnung.

Quelle: EUR-Lex - 52022PC0150 - EN - EUR-Lex (europa.eu)

Vergleich des Phase-Down-Stufen in % der Verordnung 517/2014 (in hellgrün), anfangend bei 100% im Jahr 2015, und dem Phase-Down des Entwurfes (in dunkelgrün) ab 2024. In hellgrau: Mengen in importierten Produkten, die in der Grundmenge nicht erfasst waren.
Vergleich des Phase-Down-Stufen in % der Verordnung 517/2014 (in hellgrün), anfangend bei 100% im Jahr 2015, und dem Phase-Down des Entwurfes (in dunkelgrün) ab 2024. In hellgrau: Mengen in importierten Produkten, die in der Grundmenge nicht erfasst waren.

Das neue Phase-Down-Szenario würde nach Einschätzung von Industrieverbänden bedeuten, dass ab 2024 fluorierte Kältemittel mit GWP über etwa 10 praktisch nur noch für die Wartung schon installierter Anlagen verfügbar sind. Es würde eher einem Phase-Out entsprechen, was namhafte Politiker der EU auch schon genau so ausgedrückt haben. Das wird auch sichtbar bei einer Abschätzung der durchschnittlichen GWP-Werte, z.B. mit der Annahme, dass weiter eine ähnliche Tonnage an fluorierten Kältemitteln benötigt wird, siehe folgende Tabelle.

Eine Verschärfung war erwartet. Zu dem Entwurf sind von Verbänden und Firmen Stellungnahmen verfasst worden.

Jahr

% 517/ 2014

Mittl. GWP 517/2014

% Rev. Entwurf

Mittl. GWP Entwurf

2015

100

2200

 

 

2016

93

2046

2018

63

1386

2021

45

990

2024

31

682

23,6

519

2027

24

528

10

220

2030

21

462

5,2

114

2033

4,8

106

2036

3,8

84

2039

3,5

77

2042

3,1

68

2045

2,7

59

2048

2,4

53

Die Spalte "Mittl. GWP 517/2014" zeigt die bisherigen Überschlagswerte und kommt für das Jahr 2030 auf 462 als Durchschnitt. Die Spalte "Mittl. GWP Entwurf" zeigt die Überschlagswerte entsprechend der Mengen im neuen Entwurf. Danach steht für 2030 nur noch 114 als Durchschnittswert und ab 2048 nur noch 53. Damit dürfte die bisherige Annahme, dass ein GWP-Wert bis 150 ausreichend niedrig ist, nicht mehr zutreffen – nicht einmal für 2030. Vor diesem Hintergrund werden die neuen Anwendungsverbote und besonders die formulierten Ausnahmen von den Verboten "wo Sicherheitsnormen es erforderlich machen" praktisch irrelevant. Gleichzeitig werden die technischen Anforderungen an wiederverwendete Kältemittel erhöht: Sie dürfen nur noch nach Reinigung oder Aufarbeitung wiederverwendet werden. Da dafür nur wenig Kapazität verfügbar ist und neuere Gemische wegen der Patentschutzlage bisher nicht für Wiederaufarbeitung vorgesehen wurden, dürfte auch hier weitere Menge an Kältemittel fehlen. Wichtig wird es, sich darauf zu konzentrieren, Kälteanlagen und Wärmepumpen mit den Kältemitteln zu entwickeln und zu bauen, die langfristig sicher verfügbar sind (Langfristig verfügbare Kältemittel).