Natürliche Kältemittel für zukunftssichere Anlagen in der EU
Verschärfte Regularien in der Europäischen Union erhöhen den Druck auf die Kälte-, Klima- und Wärmepumpenbranche. Die Wahl des Kältemittels wird damit zu einem zentralen Faktor für die Zukunftssicherheit von Anlagen und Investitionen.
Natürliche Kältemittel gewinnen an Bedeutung, da sie sehr niedrige GWP-Werte, hohe Energieeffizienz und langfristige Verfügbarkeit vereinen.
BITZER Kältemittelempfehlungen
Für den EU-Markt
Vor diesem Hintergrund gibt BITZER auf Basis jahrzehntelanger Erfahrung klare Empfehlungen für den Einsatz von Kältemitteln im EU‑Markt. Sie berücksichtigen aktuelle regulatorische Entwicklungen wie die F‑Gase-Verordnung sowie technische und wirtschaftliche Anforderungen in der Praxis.
Auf einen Blick: die wichtigsten Kältemittelempfehlungen für Neuanlagen und Bestandsanlagen im EU-Markt :
Neunanlagen
| Empfehlungen für den EU-Markt |
|---|
| Möglichst immer natürliche Kältemittel einsetzen |
| Wenn dies technisch nicht möglich ist: GWP < 10 |
| GWP < 150 als absolute Obergrenze |
Bestandsanlagen
| Empfehlungen für den EU-Markt |
|---|
| Umrüstung auf Kältemittel mit möglichst niedrigem GWP, sofern technisch und wirtschaftlich sinnvoll |
| Dichte Systeme nicht umrüsten, da Quota‑Kältemittel nötig sind |
Natürliche Kältemittel: die erste Wahl für Neuanlagen in der EU
BITZER empfiehlt seinen Kunden, die den EU-Markt bedienen, für Neuanlagen, wo immer möglich, natürliche Kältemittel zu verwenden. Diese werden während der gesamten Lebensdauer der BITZER Produkte verfügbar sein. Natürliche Kältemittel wie CO₂ (R744), Ammoniak (R717) und Propan (R290) zeichnen sich durch sehr niedrige GWP-Werte und regulatorische Zukunftssicherheit aus.
Wo dies nicht möglich ist, aufgrund lokaler Vorschriften oder dafür fehlender Fachkräfte, sollten Kältemittel mit GWP < 10 eingesetzt werden. Falls auch dies nicht möglich ist, sollte GWP < 150 die absolute Grenze sein. Fluorierte Kältemittel werden spätestens nach 2030 nur noch in begrenzten Mengen verfügbar sein, was die Lebensdauer solcher Anlagen verkürzen könnte. Durch die momentane PFAS-Diskussion könnte sich zudem bereits in naher Zukunft die Anzahl an verfügbaren HFKW- und HFO-Kältemitteln erheblich verringern.
Bestandsanlagen möglichst auf Niedrig-GWP-Kältemittel umrüsten
Für Betreiber bestehender Anlagen spielt die Verfügbarkeit von Kältemitteln eine zentrale Rolle für Wartung, Service und Lebensdauer. Wenn bei Bestandsanlagen Kältemittel nachgefüllt werden muss, wird ein Umrüsten auf ein Kältemittel mit möglichst geringem GWP dringend empfohlen – sofern technisch und wirtschaftlich sinnvoll.
Einwandfrei funktionierende und dichte Bestandsanlagen sollten jedoch weiterbetrieben werden, auch um die ohnehin schon geringen Kältemittelmengen nicht unnötig zu verbrauchen. Diese Maßnahme ist nötig, da sonst nach unserer Einschätzung bereits in naher Zukunft die durch den Phase-down der F-Gase-Verordnung erheblich reduzierten Mengen an HFKW-Kältemitteln nicht mehr ausreichen werden, um den Bedarf für Service und Reparatur von Bestandsanlagen zu decken.

Regulatorische Entwicklung:
Verringerte Verfügbarkeit von HFKW-Kältemitteln
Angesichts des durch die F-Gase-Verordnung 2024/573 beschleunigten Phase-downs fluorierter Kältemittel (HFKW) muss sich die Branche bereits heute auf erhebliche Einschränkungen einstellen.
Seit Januar 2025 gelten die ersten verschärften Maßnahmen, darunter reduzierte Quoten und strengere GWP-Grenzen für Anlagen. Europa bewegt sich damit klar in Richtung eines minimalen Einsatzes fluorierter Kältemittel.
Grafik: Phase-down-Stufen in Prozent für fluorierte Treibhausgase des Montrealer Protokolls für vier Ländergruppen. MP: Standardmitglieder
Bevorstehende PFAS-Verbote und ihre Auswirkungen
Mögliche PFAS-Verbote im Rahmen der EU-REACH-Verordnung könnten die Auswahl verfügbarer Kältemittel weiter einschränken.
Davon betroffen wären zahlreiche fluorierte Kältemittel, einschließlich HFO. Der genaue Umfang ist derzeit noch nicht abschließend definiert, stellt aber ein zusätzliches Risiko für langfristige Investitionen dar.
Eigenschaften
Was natürliche Kältemittel auszeichnet
Natürliche Kältemittel wie R744 (CO₂), R717 (Ammoniak) und R290 (Propan) vereinen folgende Eigenschaften:
- Ozonzerstörungspotenzial (ODP): 0
- Global Warming Potential (GWP): < 10
- keine Abhängigkeit von F-Gase-Quoten
- hohe Energieeffizienz
- langfristige regulatorische Sicherheit
Characteristics
Besonderheiten im Umgang mit natürlichen Kältemitteln
Der Einsatz natürlicher Kältemittel erfordert spezifisches Fachwissen, insbesondere im Hinblick auf Sicherheitsklassen und Anlagenauslegung.
Wichtige Aspekte sind:
- Kohlenwasserstoffe (z. B. R290, R600a): brennbar (A3)
- CO₂ (R744): hohe Betriebsdrücke
- Ammoniak (R717): toxisch und bedingt brennbar (B2L)
Die Auswahl des geeigneten Kältemittels hängt von Anwendung, Sicherheitsanforderungen, Fachpersonal und regulatorischem Umfeld ab.
Einige natürliche Kältemittel im Vergleich: CO2, Propan, Ammoniak
| CO2 (R744) | Propane (R290) | Ammonia (R717) |
|---|---|---|
| Nicht brennbares natürliches Kältemittel (Sicherheitsklasse A1) | Brennbar (Sicherheitsklasse A3) | Giftig und brennbar unter bestimmten Bedingungen (Sicherheitsklasse B2L) |
| Hohe volumetrische Kälteleistung | Breiter Einsatzbereich und hohe Energieeffizienz | Wirtschaftlich besonders für große Kälteanlagen |
| Betrieb bei hohen Drücken | Häufig in Gewerbekälte, Wärmepumpen und Klimaanwendungen eingesetzt | Vor allem in der Industriekälte und in großen Kühl- und Tiefkühllagern eingesetzt |
| Weit verbreitet in der Gewerbekälte, insbesondere in Supermärkten und Kühlhäusern |
Tools and trainings
Praxisorientierte Unterstüzung
FAQ
Kältemittel und Regularien: Antworten auf häufige Praxisfragen



